HH 01.01.2010 – Die Silvesternacht in Hamburg – Polizei zieht Bilanz
Quelle: http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/6337/1538349/polizei_hamburg
Hamburg (ots) – Zeit: 31.12.2009 / 01.01.2010 Ort: Hamburger Stadtgebiet
Im Bereich der St. Pauli Landungsbrücken haben bis zu 35.000 Personen den Jahreswechsel friedlich gefeiert. Tausende feierten Silvester rund um die Binnenalster.
Vor dem Haupteingang des Untersuchungsgefängnisses am Holstenglacis fand eine Versammlung unter dem Tenor “Unterstützt die Gefangenen auch an Silvester” statt. Gegen 23:00 Uhr waren ca. 50 Personen aus dem linken Spektrum am Versammlungsort. Einige dieser Personen hatten ein Eisentor des Untersuchungsgefängnisses gewaltsam geöffnet und sind in den Sicherheitsbereich bis vor die Mauer eingedrungen, den sie selbstständig wieder verließen. Die Stimmung unter den Versammlungsteilnehmer war aggressiv, Einsatzkräfte der Polizei wurden permanent mit Böllern beworfen. Es kam zu zwei Schlagstockeinsätzen. Inzwischen war die Anzahl der Teilnehmer auf ca. 200 Personen angewachsen. Weitere Polizeikräfte wurden hinzugezogen. Durch die starke Polizeipräsenz konnten Auseinandersetzungen verhindert werden, ab 00:40 Uhr entfernten sich Teilnehmer in Richtung Schanzenviertel.
Im Vergnügungsviertel rund um die Reeperbahn haben bis zu 60.000 Gäste gefeiert.
Um 23:45 Uhr haben 25 bis 30 vermummte Personen aus dem linken Spektrum Barrikaden aus Müllcontainern, Bauzäunen und anderen Materialien errichtet und mit Brandbeschleunigern entzündet. Die Anzahl der Störer wuchs bis auf 150 Personen an, darunter mischten sich rund 300 Schaulustige, die zuvor an den Landungsbrücken gefeiert hatten. Inzwischen war die St. Pauli Hafenstraße in gesamter Fahrbahnbreite durch brennende Barrikaden versperrt. Die Störer entwendeten weiteres Brennmaterial für die Barrikaden aus dem Bereich der Riverkasematten und das Feuer drohte auf parkende Pkw überzugehen. Daraufhin wurden die Störer durch Einsatzkräfte der Polizei über die Balduintreppe in Richtung Balduinstraße abgedrängt. Dabei wurden die Polizeibeamten massiv mit Flaschen und Steinen beworfen. In der Balduinstraße wurde ein Molotowcocktail auf die Beamten geworfen. Es kam zum Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz. Drei Beamte wurde durch Flaschenwürfe verletzt. Zwei Störer sind wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs vorläufig festgenommen worden. Im weiteren Verlauf mischten sich die Störer unter das Partypublikum auf dem Kiez. Um 02:15 Uhr war die St. Pauli Hafenstraße von den Barrikaden geräumt. Im Verlauf der Silvesternacht sind im Vergnügungsviertel 172 Personen überprüft und 59 Strafverfahren, überwiegend Körperverletzungsdelikte, eingeleitet worden.
In der Bleicherstraße ist ein 38-jähriger Mann lebensgefährlich verletzt worden. Der 38-Jährige hatte einen Feuerwerkskörper in eine Glasflasche gesteckt und angezündet. Die Flasche zersprang und traf den Mann am Kopf. Die Detonation war so stark, dass er nach hinten fiel und mit dem Hinterkopf auf dem Steinboden aufschlug. Er zog sich eine lebensgefährliche Kopfverletzung zu und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Es besteht weiterhin Lebensgefahr.
In der Stellmacher Straße ist es gegen 00:45 Uhr in einem Gebäude vermutlich zu einer Verpuffung gekommen. Dabei zog sich ein Mann, dessen Identität noch nicht bekannt ist, am Oberkörper, am Kopf und an den Armen Verbrennungen zu. Er wurde in eine Spezialklinik gebracht.
Ein 26-Jähriger schoss mit einer Schreckschusswaffe von einem Balkon in der Grotestraße mit Vogelschreckmunition in Richtung einer Gruppe Kinder, die in unmittelbarer Nähe ein Feuerwerk abbrannten. Dabei wurde ein 12-jähriger Junge am Arm verletzt und Teile seiner Jacke verbrannten. Die Vogelschreckmunition prallte vom Oberarm des Jungen ab und traf einen gleichaltrigen Jungen im Gesicht. Dieser Junge zog sich eine ca. 10 cm lange Risswunde im Gesicht zu. Beide Geschädigten wurden in ein Krankenhaus eingeliefert. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet, die Schreckschusswaffe sichergestellt.
Kurz nach Mitternacht ist eine 25-jährige Frau in der Nähe einer Bushaltestelle in der Wolliner Straße durch einen Feuerwerkskörper schwerst verletzt worden. Nach ersten Ermittlungen könnten die Verletzungen durch das Abbrennen eines Feuerwerkes der Klasse IV verursacht worden sein. Der 25-Jährigen wurde das linke Schien-und Wadenbein gebrochen und sie zog sich noch weitere Verletzungen im Unterschenkelbereich zu.
In der Jägerstraße haben unbekannte Täter gegen 01:15 Uhr eine Telefonzelle durch das Herbeiführen einer Explosion komplett zerstört.
Heute Morgen um 05:35 Uhr haben unbekannte Täter auf einem Parkplatz im Bereich Am Hasenberge/Justus-Strandes-Weg vier Pkw in Brand gesetzt, die komplett ausbrannten. Der Versuch einen fünften Pkw in Brand zu setzen, misslang. Kurz zuvor brannte im Frahmredder ein BMW im vorderen rechten Bereich. Die Stoßstange, der Reifen, Kunststoffteile und die Motorhaube wurden beschädigt. Das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.
Zwischen 00:30 Uhr und 02:20 Uhr haben Unbekannte in den Straßen Tegelsbarg, Moorredder und im Volksdorfer Weg drei Zigarettenautomaten gesprengt und sind unerkannt geflüchtet.
Um 00:13 Uhr bemerkten Passanten ein Feuer auf dem Balkon einer Wohnung in der Neue Straße und verständigten die Rettungskräfte. Da der Wohnungsinhaber nicht öffnete, traten die Passanten die Wohnungstür ein und holten den schlafenden Mieter (62) aus der Wohnung. Er hatte zuvor Feuerwerkskörper auf dem Balkon abgebrannt und dabei offensichtlich Unrat in Brand gesetzt. Der 62-Jährige wurde nicht verletzt.
Sch.
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